Dienstag, 6. Februar 2007

Von Dakar zur Sklaveninsel Gorée

Die Stadt ist ein Moloch. Man kann es nicht anders sagen. Ein paar Millionen Menschen leben zusammengepfercht auf der Peninsula von Dakar. Expansionsraum gibt es praktisch nicht.
Die Stadt gleicht einem brodelnden Hexenkessel. Sobald man dem Taxi oder dem Grand-Taxi (Bild) entsteigt, hört man schon von allen Seiten "Madame, Monsieur, regardez! Bon Prix!!" Alles wird gehandelt und jeder Dakarer ist wohl von Geburt an Händler...
Wir flüchten uns per Boot auf die vor der Küste liegende ehemalige Sklaveninsel Gorée. Von hier aus wurden noch bis vor rund 200 Jahren die menschliche Ware über den Atlantik geschickt. Heute erinnern ein paar Denkmäler und das "Maison des Esclaves" an diese Zeiten. Mehrheitlich dient die Insel aber älteren Französinnen dazu mit ihren jungen schwarzen Lovern zu flanieren und zu turteln. Nun ja, da sage noch einer Sextourismus sei nur auf Männer beschränkt...



Montag, 5. Februar 2007

KM 7500 seit Kreuzlingen...

...und Dakar ist erreicht. 250 km sind wir ab -st.Louis durch relativ öde Savanne Richtung Süden gefahren, hin und wieder am Wegesrand ein ärmliches Dorf oder ein staubiges Städtchen - meist gruppiert um die zentrale Tankstelle. Nachdem wir uns dann kurz entschlossen doch noch dem Verkehrschaos vor Dakar gestellt haben, hat es nur zwei Stunden gedauert die letzten 20 km zu überwinden. Morgen werden wir uns dieses Gewühl aus Menschen, immer hupenden Schrottautos, Marktständen, Garküchen, Cafés, Restaurants und und und... näher anschauen. Mal sehen, ob es auch ein paar gute Schnappschüsse gibt.

Samstag, 3. Februar 2007

Zebra und Gazelle

Wir sitzen im Schatten einiger großer Palmen, im Hintergrund das Meeresrauschen, vor uns „Biere Gazelle“. Das wichtigste Ziel unserer Reise ist erreicht! Kurz nach 19 Uhr sind wir Vorgestern in der unter Afrikareisenden berühmten Zebrabar eingetroffen. Ungefähr 20 km südlich von St. Louis und circa 40 km von der senegalesischen Grenze entfernt, bietet die von Schweizern betriebene Zebrabar alles was man sich nach einem anstrengenden Tag wünscht: Ein großes Gelände zum Campen, einen schönen Strand hinter einer Sandbank vor dem Meer geschützt, senegalesisch-schweizerische Küche und solarbetriebene heiße Duschen sowie den unten sichtbaren Aussichtsturm.Man trifft hier die abenteuerlichsten Gestalten auf der Reise durch Afrika - Althippies, Autoschieber, englische Rentner auf der Suche nach dem spaeten Glueck, und sogar ein paar Konstanzer auf der Durchreise nach Suedafrika. Zuhauf sehen wir auch uralte, umgebaute LKWs mit Buschtauglichkeit... Was fuer ein Ort!

Der Weg dorthin ist jedoch nicht ganz einfach. Von Nouakchott fahren wir 200 km nach Süden bis Rosso, biegen dann nach Westen ab, um den Schleppern und Neppern am berüchtigten Grenzübergang von Rosso zu entgehen. Wir nehmen die Erdpiste ueber circa 100 km entlang des Senegalflusses(im Wasser neben der Piste suhlen sich die Warzenschweine und wir sehen auch hunderte Flamingos), um dann bei Djama auf einer Schleußenanlage über den Fluß zu fahren. Die Grenzformalitäten lassen sich schnell erledigen – insbesondere nachdem der mauretanische Grenzer von seinem Nickerchen erwacht ist, von der Pritsche aufsteht und uns gähnend die Pässe abstempelt. Nicht viele Reisende benutzen offensichtlich diesen abgelegenen Grenzübergang.

Kaum nähern wir uns jedoch St. Louis stoppt uns eine senegalesische Polizeikontrolle. Monsieur wünscht Warndreieck, Verbandskasten und Feuerlöscher (!) zu sehen. Mit einem Feuerlöscher können wir nicht dienen (wie wahrscheinlich 99,9% aller senegalesischen Autofahrer in ihren fahrbaren Wracks). Der Polizist meint jedoch, von uns 20 € Strafe abkassieren zu müssen. Eine Quittung will er partout nicht ausstellen. Als wir uns weigern zu bezahlen, wird er recht pampig und droht mit der Beschlagnahmung unseres Autos. Mit knirschenden Zähnen zahlen wir und beschaffen uns an der nächsten Tanke einen Feuerlöscher. Der Tankwart lacht sich einen und fragt gleich, ob wir auch noch alle anderen beliebten "Kontrollgegenstaende" haben. An dieser Stelle ist ein Wort zum Thema Polizeigebaren angebracht: Während wir in Marokko auf ein (gegenüber früheren Jahren) extrem korrektes Verhalten der Polizei und auch gestoßen sind, nehmen weiter südlich Schmiergelforderungen und willkürliche Busen gegenüber Touristen massiv zu.
Wir planen, einige Tage in der Zebrabar zu verbringen und die tolle Landschaft sowie das angenehme Klima zu geniessen. Dann werden wir entscheiden, in welche Richtung die Reise weitergehen soll...

Mittwoch, 31. Januar 2007

Duensurfen in der Suedsahara

Von Nouadhibou nehmen wir die Asphaltstrasse Richtung Süden. Nach ungefähr 200 km fahren wir von der Hauptstrasse ab Richtung Westen ins offene Gelände. Wir folgen einigen Spuren durch Sand und Geröll. Mittels Andis und Corinnas GPS können wir uns im Gelände ganz gut orientieren. Immer wieder passieren wir Weichsandstrecken zwischen den Sanddünen und endlich, endlich befindet sich der Landrover in artgerechter Haltung! Man hört den Motor
quasi jubeln… Ohne Schwierigkeiten meistert der Allradantrieb den Sand. An tieferen Stellen hilft der Geländegang aus. Wir bewegen uns ungefähr 40 km quer durch die Wüste bevor wir auf eine halbwegs benutzte Piste stoßen, die uns direkt in den Nationalpark führt. Mit den beiden Geländewagen können wir die traumhafte Landschaft aus weich geschwungenen Dünen unter stahlblauem Himmel genießen. Schließlich führt die Piste immer näher an den Atlantik, der auch hier direkt auf die Wüstenlandschaft trifft. Wir schlagen unser Camp am Cap Taragit auf – keine 100 Meter vom Strand. Abends am Feuer beobachten wir Wüstenrennmäuse, Walzenspinnen und eine Reihe anderes Wüstengetier. Am nächsten Morgen finden rund um unser Lager Spuren vom Schakal und Wüstenfuchs (alles leicht bestimmbar durch den Kosmosführer „Sahara“, ein wirklich nützliches Geschenk meiner Mutter, zusätzlich zum jährlichen Pyjama!). Am nächsten Tag geht es weiter durch den Park Richtung Süden, die Dünen werden immer höher und irgendwann muss der etwas schwächere Motor des VW-Busses kapitulieren. Wir fahren wieder Richtung Asphaltstrasse und nach einer weitern Nacht unter dem Wüstenhimmel (diesmal finden wir ein ganzes Kamelskelett) erreichen wir Nouakchott, die Hauptstadt von Mauretanien.

Rund um Nouakchott liegt ein etwa fünf Kilometer breiter Gürtel aus Müll und Autowracks – nichts ungewöhnliches für afrikanische Großstädte. Die Stadt selbst entpuppt sich aber als recht angenehm – viele kleine Restaurants und Cafés nebst den Villen der Botschaften säumen die Boulevards der Innenstadt. Die mauretanische Bevölkerung ist insgesamt sehr freundlich aber zurückhaltend; Ausnahmen bilden hier lediglich einige Polizeikontrollen, die „Cadeaux“ einfordern. Wir planen, zwei Tage Aufenthalt hier, bevor die Reise zum Senegalfluss weiter gehen soll.


Freitag, 26. Januar 2007

Mauretanien erreicht!

Inzwischen haben wir die Grenze ins "echte" Afrika ueberschritten. Nach knapp 2 Stunden waren die Grenzformalitaeten erledigt und wir fuhren weiter Richtung Nouadhibu, der zweit groessten "Stadt" Mauretaniens. Es handelt sich aber im wesentlichen um eine Ansammlung von Buden und Huetten, die vor allem Handys und allen moeglichen Kram feilbieten. Der Campingplatz ist jedoch ganz in Ordnung, inklusive einstuendigem Morgenruf von der benachbarten Moschee um 6 Uhr . Waehrend Marokko inzwischen fast europaeisch anmutet, ist Mauretanien ein echter Wechsel. In Nouadhibou gibt es vielleicht zwei Restaurants auf westlichem Standard; immerhin einen excellenten Chinesen. Alkohol ist praktisch nicht zu bekommen. An der Grenze wurden auch einige Reisende peinlichst genau gefilzt, ob irgendwo ein Flaeschchen zu finden waere. In der Bude vom Zoll konnte dann auch eine Sammlung beschlagnahmter Alkoholika besichtigt werden. Was allerdings mit dem Stoff nach Feierabend passiert, war aus den Zoellnern nicht herauszubekommen... Wir freuen uns daher schon auf die beruehmte "Zebrabar" im Sengeal, wo angeblich das landestypische "Biere Gazelle" in Stroemen fliessen soll...

Die naechsten Tage geht es aber erstmal weiter zum einmaligen Vogelnationalpark "Parque de Argin" etwas suedlich und dann per Strandpassage Richtung Hauptstadt Nouakchott. Die Fahrt auf dem Strandstreifen ist allerdings nur bei guenstigen Gezeiten moeglich und daher warten wir derzeit noch in Nouadhibou auf die Ebbe; wir vertreiben unsere Zeit mit lesen, Fliegen zaehlen und der interessanten Diskussion mit einem Fischeiereinkaeufer aus Frankreich, der hier begehrte spezifische Fischeier aufkauft, die dann in Frankreich fuer teures Geld im Supermarkt als Vorspeise ueber den Tresen gehen.

Anbei noch einige Bilder mit Impressionen aus der Wuestenfahrt der letzten Tage. Zu sehen auch der Allrad-VW-Bus unserer neuen Freunde Andi, Corinna und Tochter Nina, mit denen wir gemeinsam einenTeil der Strecke zuruecklegen werden sowie die Aktion "Entsandung Wohnmobil" vor einigen Tagen.

Donnerstag, 25. Januar 2007

5000 Km from home

Gestern sind wir den dritten Tag durch die Wueste gefahren und haben die 5000 km Marke seit Kreuzlingen ueberschritten. Am Abend vorher hatten wir noch auf dem kleinen Campingplatz Roi du Beduin das Vergnuegen, unsere Sandbleche einzuweihen und ein festgefahrenes Wohnmobil wieder flott zu machen. Das freundliche franzoesische Ehepaar packte darauf die Whiskyvorraete aus und es gab eine improvisierte Stehparty im Sand mit deutlichen Kopfschmerzfolgen am naechsten Morgen.

Inzwischen ist also fast die ganze Westsahara durchquert, heute Abend steht der Grenzuebertritt nach Mauretanien an. Die Straende Dakhlas , ganz im Sueden Marokkos, sind uebrigens ein absoluter Traum und von Dutzenden Surfern bevoelkert. Ueberhaupt scheint die Regierung inzwischen viel Geld in dieser Region zu investieren und die Wuestenstaedte machen allesamt einen guten Eindruck. Nur die Campingplaetze bieten eine echte Herausforderung fuer Meister Proper.

Auch der Sprit ist steuerfrei und wir bezahlen umgerechnet pro Liter Diesel 40 cent... Mit einmal Tanken fuer 40 Euro sollten wir also fast bis an den Senegalfluss vorstossen koennen!
Fotos folgen sobald wir die technischen Moeglichkeiten finden.

Montag, 22. Januar 2007

Tan Tan und die Rentner im Wohnmobil


Gestern stand noch eine Ubernachtung im ehemaligen Fort der Fremdenlegion Bou Jerif auf dem Programm. Das erste mal das Zelt in der Wueste aufgeschlagen. Perfekter Sternenhimmel... Dieses von Franzosen geführte Wüstencampment ist idyllisch gelegen, circa 40 km westlich von Guelmin über Teerstrasse und 10 km Piste erreichbar. Eine Übernachtung lohnt sich auf jeden Fall. Es gibt auch ein kleines Hotel nebenan und ein recht empfehlenswertes Restaurant.
Heute sind wir aber 200 km suedlicher; wieder an der Kueste - bei Tan Tan. Stellt Euch einfach stahlblauen Himmel, 100 km Strand und meterhohe Wellen vor. Ausserdem ringsherum Rentner aus Gelsenkirchen und Holland in ihren Wohnmobilen, die den ganzen Tag auf dem Klappstuhl sitzen und ueber alles und nichts reden. Fast wie zuhause am Bodenseecampingplatz...